aufgeregtes Springdinkel weebee am 30 Jan 2011 - 11:18
Two channel distress
Heute ist Sonntag und an dieser Stelle veschwimmt das Bild und ich schwelge in Erinnerung.
Der Wecker klingelt morgens um halb 9. Was für ein Luxus an einem Wochentag. Die Vögel zwitschern und die Sonne scheint. Was für ein Luxus in Hamburg. Ich rekel mich im Bett und ZACK schießt es mir in den Kopf.
In Gedanken gehe ich meinen Katalog aus Schimpfwörtern durch und entscheide mich für “verdammt” – schreie es unter die Bettdecke. Es hilft ja nichts, also raus aus den Federn und wie ein Boxer den Ring betritt, schleiche ich ins Badezimmer. Was ein Tag. ![]()
“Guten Tag Frau H.. Bitte füllen Sie eben noch diesen Bogen aus.” Ich kann den Kugelschreiber kaum festhalten und so zittert er fleißig über das Papier, trägt Name, Geburtstag und Adresse ein. Dann ein kurzer Ritt durch allmögliche Krankheiten, die ich alle mit Nein beantworten kann, das lässt mich ruhig werden. Dann zucke ich das erste Mal zusammen: HAUSÄRZTIN (im Falle eines Unfalls). Klar, im Falle von Tod möchte ich natürlich, dass meine Hausärztin es zu erst erfährt!
Weiter im Text: Rauchen ja, Alkoholgenuss? Ja Nein Ja Nein – ich lasse es frei, wanke zurück zum Empfangstresen und schaue in dieses grinsende Gesicht. Was für perfekte Zähne, denke ich mir.
Ich zucke das zweite Mal zusammen.
“Frau H., Bitte!”
“Frau ?., Danke”, denke ich mir und zitter auf die Zahnarzthelferin zu. Sofortige Disharmonie. ;-)
Und dann sitze ich auf diesem Stuhl, bin alleine und frage mich warum ich da schon sitze, wenn keiner Zeit für mich hat. Ich hätte doch noch Fische gucken können im Wartezimmer oder köngliche Geschichten lesen können. Soll ich hier in Ruhe ankommen, mich wohlfühlen? Im Radio läuft Depeche Mode und ich wünsche mir, dass es nach Himbeere riecht. Herr G. betritt den Saal, ist nett anzuschauen, ist freundlich – mir alles egal und während er mir meine Zähne erklärt, denke ich, dass er wohl in den Job nur so reingerutscht ist. Dann gibt es mehrere Stiche in Ober – und Unterkiefer und ich bin wieder alleine. Jut jut jut, ich warte auf bunte Farben und beruhigende Stimmen. Nichts dergleichen. Es vergehen gefühlt viele Lenze und plötzlich stehen Herr G. und Frau ? zu meiner Linken und Rechten. Okaaay, es geht los und für die nachfolgenden 45min stellen wir uns alle beruhigende Fahrstuhlmusik vor.

Es ist also vollbracht und gelitten wird hier auf 2 Kanälen. Schmerzen ohne Ende in den nachfolgenden TAGEN und mein Nikotinentzug. Ich erinnere mich wie ich vor ein paar Tagen zu meinem besten Freund sagte, dass ich gerne nicht mehr rauchen wollen würde. Man muss eben vorsichtig sein mit den Dingen, die man sich wünscht. ;-)
Mein Fazit: Tapferkeit sieht anders aus, Zahnärzte sind ganz gemeine Leute, Schmerzmittel machen nicht klug, ich liebe es Fleisch zu essen UND bis zur Hochzeit ist ja alles wieder gut! :-)














